Parkour


Parkour ist die Kunst der effizienten Fortbewegung.

Ziel ist, sich frei und unbeschränkt durch seine Umgebung bewegen zu können. Dazu vereinen die Bewegungen des Traceur(franz.: "der sich den Weg ebnet") genannten Ausübenden Schnelligkeit, Sicherheit und Kontrolle über sich und seine Umgebung. Darüber hinaus sind die Techniken so einfach und Kraft sparend als möglich und wirken nicht zuletzt elegant und ineinander fließend. Der Definition folgend sind akrobatische Elemente kein Bestandteil von Parkour - nur in den seltensten Fällen wäre ein Salto die effizienteste Möglichkeit ein Hindernis zu überwinden.

Aber Parkour ist mehr als reine Fortbewegung. Ein wichtiger Bestandteil ist die Kreativität: jedes Hindernis ist anders, für jedes gibt es verschiedene individuelle Lösungen. Zwar existieren weit verbreitete Grundbewegungen, die für eine Vielzahl von Hindernisses adäquate Überwindungsmöglichkeiten bieten, dennoch muss jeder seinen eigenen Weg gehen, sich abseits vorgegebener Grenzen bewegen.

Doch stellen sich einem Traceur nicht nur Hindernisse physischer Beschaffenheit in den Weg: Es gilt auch innere Hürden zu überwinden, die Angst bereits an seine eigenen Grenzen gestoßen zu sein, ("was könnte passieren wenn ....") hier gilt es sorgfältig abzuwägen, wofür man noch mehr Zeit, noch mehr Training benötigt, und was man zu schaffen bereit ist. Diese Entscheidung muss letztendlich jeder für sich treffen, zwar können andere einem zu- bzw. abraten, springen muss jedoch jeder für sich allein. Parkour ist bewusst kein Wettkampfsport, Orientierung an anderen, der Druck von außen und das Streben alleine nach Schnelligkeit lassen einen allzu schnell die anderen Aspekte vergessen, Sicherheit und Kontrolle werden für ein Ersparnis an Zeit geopfert. Respektvoll und verantwortungsvoll mit dem eigenen Körper und seiner Umgebung umzugehen, ist die Pflicht eines jeden Traceurs.

Erscheint Parkour, vor allem für Außenstehende, zunächst als waghalsiges Herumgespringe, lässt sich die tatsächliche Gefahr durch richtige Selbsteinschätzung, korrekt ausgeführte Techniken und den Aufbau körpereigener Schutzmechanismen jedoch auf ein Minimum reduzieren. Der österreichische Traceur Andreas Kalteis sagte einmal: "Bei Parkour geht es um Effizienz, und im Krankenhaus zu landen ist nicht sehr effizient." Daher gilt: jeder mache nur das, wozu er sich, sowohl physisch als auch psychisch, in der Lage fühlt. Gleichzeitig sollte man vorausschauend agieren und Langzeitschäden vorbeugen, allem voran durch Vermeidung von Sprüngen aus großer Höhe und die gleichzeitige Anwendung bewährter Landetechniken.

Hilfsmittel

Sobald man bereit ist, sich auf diesen neuen Weg, nicht nur der Fortbewegung, sondern auch der Auslotung und Erweiterung seiner Grenzen einzulassen, steht dem Beginn des Trainings nichts mehr im Wege. Spezielle Voraussetzungen sind nicht erforderlich.
Die Notwendigkeit körperfremder Hilfsmittel, wie beispielsweise Handschuhen, ist einerseits durch die Definition als Fortbewegung ohne Hilfsmittel, andererseits durch reine Logik ausgeschlossen. Parkour muss in jeder erdenklichen Situation einsetzbar sein, ist es nötig zu fliehen hat man nicht unbedingt Handschuhe dabei und scheitert dann womöglich am Fehlen von Hornhaut.

Weiterhin schränken externe Sicherheitsvorkehrungen wie Schoner oder Helme die Bewegungsfreiheit ein und veranlassen den Traceur selbst weniger auf seinen Körper aufzupassen, ist man im Falle eines Falles doch vermeintlich geschützt. Weiß man, was passiert, wenn man an einem Hindernis scheitert, und hat bereits keineswegs wünschenswerte und schmerzhafte Erfahrungen beim Rendez-vous von Knie und Mauer gemacht, wird man sich beim nächsten mal wieder eher auf korrekte Ausführung der Bewegung konzentrieren, als wenn die Konsequenzen des Scheiterns vollkommen unerheblich sind.

Krafttraining

Einen keinesfalls zu vernachlässigenden Teil von Parkour macht Krafttraining aus. Um sich uneingeschränkt fortbewegen zu können, dürfen hohe Mauern oder große Lücken kein unüberwindbares Hindernis darstellen.
Erscheint die reine Bewegung zunächst zwar spaßiger, kann man auf den gesonderten Kraftaufbau dennoch nicht verzichten. Dabei ist es wichtig, den gesamten Körper zu trainieren: Körperstabilität, sowie Kraft in sämtlichen Extremitäten.

Hierfür sind sehr gut die so genannten Body Weight Exercises(BWEs) geeignet, Übungen mit dem eigenen Körpergewicht, schließlich gilt es selbiges fortzubewegen.
Beispiele hierfür sind
- Liegestützvariationen(verschiedene Griffbreite und Hebelwirkung, mit erhöhten Beinen oder in Handstandposition)
- Das Hinaufziehen an einer Stange oder Mauer aus hängender Position
- Die quadrupedale Fortbewegung(auf Händen und Füßen)
- Das kontrollierte Öffnen und Schließen der Hände
- Das ebenso kontrollierte Anheben der Fersen oder auch Fußballen im Stehen oder Sitzen
- Kniebeugen(sowohl bis 90°-Winkel im Kniegelenk, als auch ganz nach unten)
- Treppenlaufen sowie
- schlichtes Springen, in horizontaler wie auch in vertikaler Richtung.

Beim Krafttraining kommt es vor allem auf korrekte Ausführung, erst sekundär auf die erreichte Wiederholungszahl an. Gerade Rumpfübungen sind mit größter Sorgfalt zu bestreiten, da es sonst schnell zu einer Schädigung der Wirbelsäule kommt.
Jugendliche sollten umso vorsichtiger sein, damit das Wachstum keinesfalls beeinträchtigt wird.
Die richtige Ausführung und eine Vielfalt von Parkourbezogenen Übungen versuchen wir bei allen Trainings zu vermitteln.

Trainingsorte

Nun bleibt eigentlich nur noch offen, wo man denn trainieren kann.
Auch diese Frage ist, mit leichten Einschränkungen, schnell und knapp zu beantworten: überall.

Schon auf freier Fläche oder an einer Bordsteinkante lässt sich das unerlässliche Krafttraining ausüben oder mittels Präzionssprüngen Körpergefühl und -kontrolle trainieren.
Und nicht zuletzt verlangt auch das Hindernis, das freie Fläche darstellt, nach einer effizienten überwindung. Also impliziert Parkourtraining auch einfaches Laufen - auf jedem Untergrund, in jedem Terrain, in jeder Geschwindigkeit.
Weiter dienen Treppen, Mauern jeglicher Höhe, Geländer, Stangen und Gerüste, Abgründe, Bänke, Zäune als Trainingsflächen, kurz gesagt, alles, was normalerweise Bewegung einschränkt, eröffnet einem Traceur neue Wege.

Selbstverständlich gibt es Sperrgebiete: Privatgrundstücke, wacklige Geländer, frisch gestrichene Mauern und ähnliches sind unter dem Gebot der Sicherheit und des rücksichtsvollen Umgangs mit der Umgebung tabu.

Der Anfang

Wer nicht alleine mit dem Training anfangen will, oder einfach nur Gleichgesinnte sucht, ist herzlich eingeladen, an einem der von uns angekündigten Trainings teilzunehmen, wir bemühen uns jeden, nach bestem Wissen und Gewissen, an Parkour heranzuführen.

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